“Cobots” gegen den Facharbeitermangel?

“Cobots” gegen den Facharbeitermangel?

“Cobots” gegen den Facharbeitermangel?

„Cobots“ gegen den Facharbeitermangel?

DER PRAKTIKER 12/2018

TIME Der Facharbeitermangel ist voll angekommen. Fachleute sehen das mittlerweile als Wachstumsbremse Nr. 1. Dies betrifft auch die schweißenden Unternehmen  zunehmend. Sind kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, ein Ausweg aus diesem Engpass? Bei der TIME – Technologie-Institut für Metall & Engineering GmbH, Wissen, trafen sich dazu über 70 Fachleute aus der Schweißtechnik, um die neuesten Entwicklungen zu diskutieren.

 

„Das Thema brennt unseren Kunden offensichtlich unter den Nägeln“, sagte TIME-Geschäftsführer Dr. Ralf Polzin bei seiner Begrüßung. „Sonst hätten wir wohl nicht
diese große Teilnehmerzahl, obwohl in Hannover gerade die Branchenmesse ‚Euroblech‘ läuft und wir alle die Auftragsbücher voll haben.“ Aber gerade da drückt der Schuh in den Betrieben Land auf Land ab: viele Aufträge, aber immer weniger Fachkräfte. „Gerade in der Schweißtechnik merken wir das“, so Polzin. „Angesichts immer weniger versierter Schweißer müssen wir Prozesse, wo es geht, mechanisieren oder automatisieren.“ Sind die sogenannten Cobots, also kleine Roboter, ein Ausweg aus dem Dilemma?

 

Dieser Frage gingen die Referenten im Rahmen der von TIME initiierten Fachveranstaltung nach. Dr. Frank Cronacher von TIME gab zunächst einen Überblick über Technologie und Anwendungsmöglichkeiten der „kollaborativen Roboter“: „Diese kompakten Roboter arbeiten direkt mit Menschen zusammen – quasi Hand in Hand. Daher werkeln sie auch nicht hinter speziellen Schutzzäunen und Lichtschrankensicherungen.“ Ihre Sensorik sorge dafür, dass der Roboterarm in seiner Bewegung sofort stoppt, wenn er mit einem Menschen oder Gegenständen in Berührung kommt. „Es gibt mittlerweile mehrere Anbieter, die ‚Cobots‘ bis zu einer Tragfähigkeit von 35 kg im Programm haben“, so Dr. Cronacher. Neben den häufigsten Anwendungen im Bereich Pick and Place (Verpacken, Konfektionieren, Bestücken…) oder in der Qualitätskontrolle werden „Cobots“ zunehmend auch in der Schweißtechnik eingesetzt. Im Vergleich zu klassischen Industrierobotern eignen sich kollaborative Roboter geradeauch für die Fertigung von Kleinserien und sind damit ideal für den Einsatz in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Wegen ihres geringen Gewichts sind sie sehr mobil und flexibel einsetzbar. Ein weiterer Vorteil ist das relativ einfache Programmieren. „Der Bediener führt dabei den Roboterarm zu den Punkten, an denen er etwas tun soll, gibt die entsprechenden Befehle auf einem Tablet-Bedienteil ein, und schon kann der ‚Cobot‘ arbeiten.“ Die vergleichsweise geringe Investition in diese Technologie tue ihr Übriges: „Für viele Unternehmer überwiegen die Vorteile dieser Systeme, und so rechnen Experten mit einem rasant steigenden Umsatz bei ‚Cobots‘ in den nächsten Jahren auf mehrere Milliarden Euro.“ „Cobots“ sollen den Menschen von monotonen, unergonomischen und gesundheitsgefährdenden Arbeiten entlasten. Sie können dazu beitragen, Auftragsschwankungen und Kapazitätsprobleme insbesondere in KMU besser zu bewältigen. Dr. Cronacher: „Gerade bei jungen Mitarbeitern können wir zudem einen Motivationsschub in der Zusammenarbeit mit ‚Cobots‘ erkennen. Wir von TIME werden dieses Thema weiter intensiv auf die Anwendbarkeit in kleinen und mittleren metallverarbeitenden Unternehmen prüfen.“

 

Aus der Praxis berichtete Andreas Henze von der Firma Migatronic. „Wir haben unser Angebot um einen ‚Cobot‘ zum Schweißen, unseren ‚CoWelder‘, erweitert. Unsere Kunden setzen ihn ein, um kleine und mittlere Serien schnell zu fertigen.“ Unter dem Strich zeigen die Anwendererfahrungen, dass neben der Kostensenkung die Qualität steige und insgesamt eine höhere Produktivität entstehe. „Mit nur einem halben Tag Schulung sind die Bediener in der Lage, mit dem ‚Co-Welder‘ zu arbeiten“, erklärte Henze. Außerdem lässt sich das System einfach an einen anderen Ort in der Fertigung bringen, was die Flexibilität erhöhe. „Wir rechnen durchschnittlich mit einer Amortisationszeit von 1,5 Jahren“, versprach Henze. Rolf Kleck vom Roboterhersteller Kuka warf einen differenzierten Blick auf die „Cobots“: „Gerade in der Schweißtechnik sollte der Anwender darauf achten, die einschlägigen Sicherheitsnormen rund um den Lichtbogen zu beachten.“ Thomas Suchanek vom Roboter- und „Cobot“-Hersteller Yaskawa gab einen interessanten Einblick in die Entstehung der einschlägigen Sicherheitsnormen. „Um vernünftige Werte für die Praxis zu bekommen, sind Feldtests mit vielen Testpersonen durchgeführt worden, um deren Schmerzempfi nden als Basis für die Normen zu ermitteln.“ Nils Kühnle von FSK Engineering warb für eine saubere Anlernphase der Bediener und stellte eine mobile Schweißzelle auf Basis des verbreiteten „UR-Cobots“ vor. Einen Einblick in die moderne Programmierung von Schweißrobotern gab Marco Fuhrmann von EWM, mit der sich auch große Roboteranlagen sehr einfach auf die gewünschten Schweißaufgaben vorbereiten lassen.
Interessant wurde es auch bei den praktischen Vorführungen im TIME-Technikum. Hier konnten die Besucher die kompakte Kuka-Lösung kennenlernen und im wahrsten
Sinne des Wortes ihre Berührungsängste abbauen. Beim „CoWelder“-System (Bild) stand die einfache Programmierbarkeit im Mittelpunkt. Nach wenigen Minuten Vorbereitungszeit schweißte der „Cobot“ bereits die erste Schweißnaht. „Wir haben einen informativen Nachmittag erlebt und sind gespannt auf das Feedback von Unternehmen in den nächsten Wochen“, fasste TIME-Geschäftsführer Dr. Ralf Polzin zusammen. „Denn als Partner für kleine und mittelständische Unternehmen
im Dreiländereck Rheinland-Pfalz/NRW/Hessen stehen wir natürlich auch bei der Einführung von Cobots unterstützend zur Verfügung.“